Pfeiffer Vacuum

Interview mit Manfred Bender über die Hauptversammlung 2017 und die Zukunft von Pfeiffer Vacuum

12.05.2017

„Unsere Aktionäre lehnen den geplanten Kontrollerwerb durch Busch ab“

 
Frage
Herr Bender, am 23. Mai begrüßen Sie Ihre Aktionäre zur Hauptversammlung in Wetzlar. Was erwartet die Aktionäre?

Manfred Bender
Diese Hauptversammlung wird richtungsweisend für Pfeiffer Vacuum und eine ganz große Herausforderung für fast 70 Prozent unserer Aktionäre. Warum? Weil unser Minderheitsaktionär Busch nach Meinung aller Aktionäre, mit denen wir nun seit Monaten in Kontakt sind – und das sind sowohl eine große Zahl Privatanleger als auch sehr viele institutionelle Investoren – in keiner Weise im Interesse der Aktionäre agiert. Unsere Aktionäre können ihre Mehrheitsposition aber nur durchsetzen, wenn sie ihr Stimmrecht auf der Hauptversammlung ausüben.

 
 
Manfred Bender, Vorstandsvorsitzender der Pfeiffer Vacuum Technology AG
Manfred Bender, Vorstandsvorsitzender der Pfeiffer Vacuum Technology AG

Noch einmal zur Erinnerung: Alle Aktionäre müssen sich bis zum 16. Mai registrieren, damit sie entweder teilnehmen oder ihr Stimmrecht an einen Bevollmächtigten übertragen können.

Frage
Bitte erklären Sie nochmals die aus Sicht der Aktionäre wichtigen Themen.

Manfred Bender
Ich sehe vor allem drei Themen:
 
Erstens, das Übernahmeangebot der Busch-Gruppe. Busch hat sich ja mit der Aussage zitieren lassen, dass die Annahme ihres Angebots durch etwa 0,07 Prozent des Kapitals – was absolut nicht einmal siebentausend Aktien entspricht – belegen würde, dass das Angebot fair und attraktiv ist. Offensichtlich planen sie, auf der Hauptversammlung die Aktionäre hiervon zu überzeugen. Das an sich ist eigentlich unkritisch, denn hier geht es ja nur um eine Aussprache und keine Abstimmung. Vorstand und Aufsichtsrat lehnen das Angebot bekanntermaßen ab, weil es nicht angemessen ist. Alle Privatanleger und institutionellen Investoren teilen diese Ansicht. Sie wollen das Angebot nicht annehmen und werden in Pfeiffer Vacuum investiert bleiben, denn sie stimmen unserer Einschätzung zu, dass wir eine attraktive Langfristperspektive als unabhängiges Unternehmen bieten. Ich gehe davon aus, dass sich unsere Aktionäre auch entsprechend deutlich gegen das Angebot aussprechen werden.

Das bringt uns allerdings schon direkt zum zweiten wichtigen Thema, nämlich die von Busch geplante Einzelentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, verbunden mit dem Vorwurf eines Interessenkonflikts von Dr. Oltmanns, unserem Aufsichtsratsvorsitzenden. Laut Busch sei Dr. Oltmanns nicht dem Interesse der Aktionäre, sondern seinem eigenen verpflichtet, da seine Kanzlei sich weitere Aufträge mit Pfeiffer Vacuum sichern wolle. Gleichzeitig bietet sich dann ein Busch-Familienmitglied als besser geeigneter Aufsichtsratsvorsitzender an.

Wir haben diese Vorwürfe von der Kanzlei Hengeler Müller prüfen lassen. Sie sind haltlos. Das weiß Busch, denn sie haben in voller Kenntnis des Sachverhalts, der ja auch wie erforderlich im Geschäftsbericht ausgewiesen ist, im letzten Jahr als größter Aktionär die Wiederwahl von Dr. Oltmanns zum Aufsichtsratsvorsitzenden mit ihren Stimmen unterstützt. Diese Kehrtwende lässt sich folgerichtig auch inhaltlich nicht erklären – sie hat ja auch keine Substanz.

Die geplante Kontroverse auf der Hauptversammlung hat natürlich einen anderen Hintergrund: der mittelfristige Griff von Busch nach dem Aufsichtsratsvorsitz soll als aktionärsfreundliche Maßnahme kaschiert werden. Warum? Auch da haben viele unserer Investoren eine klare Meinung: man versucht mit dieser Trickserei, den Gegenwind durch die Aktionäre möglichst gering zu halten. Denn im Ergebnis bedeutet die Verbindung eines so hohen Aktienanteils von Busch mit der gleichzeitigen Kontrolle des Aufsichtsratsvorsitzes die faktische Kontrolle von Pfeiffer Vacuum.

Und nun noch das dritte Thema: die Langfristperspektive von Pfeiffer Vacuum. Das Wichtigste zuerst: die ist absolut intakt. Wir können auf eine hervorragende Entwicklung verweisen und haben einen starken Ausblick. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das Feedback der Investoren. Sie wünschen sich, dass wir als unabhängiges Unternehmen die Potenziale, die sie – wie auch wir und Busch – im Vakuummarkt und in unserem Unternehmen sehen, auch weiterhin heben. Sie haben sich mit einem starken Minderheitsaktionär abgefunden, aber sie wollen, nach allem was ich gehört habe, nicht, dass Busch über den Aufsichtsratsvorsitz Einfluss auf das Unternehmen ausübt. Damit würden die Rechte der Mehrheitsaktionäre nach ihrer Einschätzung noch weiter beschnitten. Auch könnte man sich eben nicht sicher sein, ob ein Mitglied der Busch-Familie als Aufsichtsratsvorsitzender das Wohl von Pfeiffer Vacuum immer über das Interesse des eigenen Familienunternehmens stellt.

Frage
Wie sehen Sie denn die Entwicklung von Pfeiffer Vacuum nach einer solchen Hauptversammlung?

Manfred Bender
Gehen wir mal davon aus, dass Busch mit dem Übernahmeangebot zwar über 30 Prozent kommen wird, aber nicht sehr viel. Dann sehe ich Pfeiffer Vacuum weiterhin als unabhängiges Unternehmen mit einer attraktiven Perspektive. Die haben wir ja schon beschrieben: ein attraktiver Markt, in dem wir hervorragend aufgestellt sind und Wachstumspotenziale heben können. Und davon werden dann alle Aktionäre profitieren können, inklusive Busch natürlich. Und zwar sowohl über eine nachhaltige Kursentwicklung als auch über eine attraktive Dividende.

Frage
Wie gehen Sie nach der Hauptversammlung mit Busch um?

Manfred Bender
Lassen Sie mich Folgendes feststellen: die Vorgehensweise von Busch ist sicherlich eigenwillig, aber aus Sicht von Busch natürlich auch vollkommen nachvollziehbar. Wir kennen und respektieren Busch als Wettbewerber und ich habe Hochachtung vor der unternehmerischen Leistung von Dr.-Ing. Karl Busch. Es ist aber auch vollkommen klar, dass wir im Rahmen unserer gesetzlichen Pflichten das Angebot und alle damit zusammenhängenden Fragestellungen strikt im besten Interesse des Unternehmens und unserer Aktionäre beurteilen und dabei auch einer streitigen Auseinandersetzung auf der Hauptversammlung nicht aus dem Wege gehen. Das schließt aber in keiner Weise aus, dass wir einen konstruktiven Dialog mit Busch pflegen können. Genau das haben wir in der Vergangenheit gemacht und so beispielsweise Busch bei der Besetzung eines Aufsichtsratssitzes durch einen Vertrauten, nämlich Herrn Beck, unterstützt. Und wir haben immer wieder Gespräche geführt, auch kürzlich wieder. Ich glaube, dass die Zusammenarbeit beider Unternehmen grundsätzlich auch interessant für unsere Aktionäre sein sollte, denn schließlich sind wir in der gleichen Branche tätig. Wenn wir auf diesem Wege zusätzliche Synergien beispielsweise bei der Markterschließung oder anderen Themen schaffen können – und ich rede nicht von Kostensynergien – dann steigert das den Unternehmenswert für unsere Aktionäre weiter. Davon profitieren alle. Ein Grund mehr übrigens, warum unsere Langfristperspektive so attraktiv und auch mit einem Minderheitsaktionär Busch absolut intakt ist.

Und ich kann das hier und heute so deutlich sagen, weil unsere Investoren das genau so sehen und von uns fordern, alles zu tun, damit Pfeiffer Vacuum diese Perspektive nicht verliert.
 
Weitere Informationen zur Hauptversammlung finden Sie hier.

Download Dokument (PDF ~ 39.6 KB)

Zurück

Unsere Top-Produkte

Diese Webseite nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Weitere Informationen